BURGÄSCHISEE - MEHR ALS 7000 JAHRE GESCHICHTE
Archäologie aus erster Hand

M.A. Marco Hostettler, Prof. Dr. Albert Hafner

Am Burgäschisee wird seit über 170 Jahren archäologisch geforscht. Dabei machte die Erforschung dieses Fundplatzes nicht nur die Entwicklung zur modernen Archäologie durch, sondern definierte den heute üblichen interdisziplinären Ansatz in der Prähistorischen Archäologie mit. So wurde Pionierarbeit sowohl in der Pollenanalyse, der Radiokarbonmethode und der Dendrochronologie geleistet. Heute gehören diese zu den Standartmethoden prähistorischer Forschung. Das kürzlich abgeschlossene SNF-geförderten Tri-nationale Forschungsprojekt «Beyond Lake Villages» liefert nun mithilfe von neuen Ausgrabungen und dem Einsatz eben genannter und weiterer naturwissenschaftlicher Methoden neue Erkenntnisse zu den Lebensbedingungen im Neolithikum. Die neuen Grabungen ergaben nicht nur neue, bislang unbekannte Siedlungsplätze am Seeufer, sondern auch neues überraschendes Material, wie Keramikformen, deren nächste Vorbilder zwischen Zürich- und Bodensee zu finden sind. Auch konnte bestätigt werden, dass im Vergleich mit anderen Fundstellen der Voralpen aus der Jungsteinzeit am Burgäschisee deutlich mehr gejagt wurde. Neue interdisziplinäre Untersuchungen an der Keramik, den gefundenen Tier- und Menschenknochen sowie den Feuersteinartefakten geben Hinweise auf die möglichen Hintergründe dieser Beobachtungen. In Verbindung mit Computersimulationen und neuen aus Pollenanalysen von Bohrkernen gewonnene Umweltdaten erlauben es, die Lebensweise der prähistorischen Siedler und deren Umweltbedingungen in ungeahntem Detail zu rekonstruieren. Es ergibt sich ein dynamisches und überraschend komplexes Bild der urgeschichtlichen Schweiz.

09.11.2021 – 19:30 Uhr