Geopferte Menschen, zerschlagene Prunkkeramik und mehr…
Der einzigartige steinzeitliche Ritualplatz von Herxheim bei Landau (Pfalz)

Andrea Zeeb-Lanz, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

In den Jahren 1996-1999 und 2005-2008 wurden Grabungen in einer bis dato einzigartigen Fundstelle der frühesten Ackerbauern Mitteleuropas (Bandkeramik, ca. 5500–5000 v. Chr.) in Herxheim bei Landau (Pfalz) durchgeführt. In einer doppelten Grabenanlage um ein bandkeramisches Dorf fanden sich die Überreste von mehr als 600 Menschen in großen Fundkonzentrationen. Die Knochen der Toten waren in kleine Fragmente zerschlagen worden, ihre Schädel zu „Schalen“ zugerichtet. Mit diesen aussergewöhnlich behandelten menschlichen Individuen vergesellschaftet waren qualitätvolle Tongefässe, Steingeräte und Mahlsteine – ebenfalls intentionell zerstört. Die Manipulationsspuren an den Knochen belegen die akribische Zerlegung und Entfleischung der Toten. In einem von der DFG geförderten Forschungsprojekt wurden die zahlreichen Funde von einem zwölfköpfigen Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Andrea Zeeb-Lanz analysiert und ausgewertet. Dass es sich in Herxheim um ein völlig exzeptionelles Ritualgeschehen handelt, unterliegt keinen Zweifeln mehr; aber zahlreiche Fragen zu einzelnen Aspekten, etwa der Identität der Toten oder ihrer Herkunft, ebenso wie die Frage nach den Gründen für die rituellen Aktivitäten in Herxheim sind noch längst nicht endgültig geklärt. Um den Fundplatz ranken sich verschiedene Interpretationen, die von Sekundärbestattungen über rituellen Kannibalismus bis zu Menschenopfern im Rahmen eines besonderen Ritualgeschehens reichen.


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19.01.2021 – 19:30 Uhr

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